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Auch die Kastanien stellten eine wichtige Rolle in der Ernährung der Bevölkerung Kalabriens dar, vor allen in den wohlhabenden Schichten. Die Kastanie kann nämlich als wahre "Pflanze der Zivilisation", wie die Weinrebe oder der Olivenbaum betrachtet werden, die grundlegend in die Entwicklung des Menschen und der Bildung und Evolution der Landschaft in den Berggegenden Kalabriens eingewirkt haben. Die ländliche Bevölkerung der Berggegenden hat stets daneben gewohnt, ins Besondere der Bergbewohner und der Kastanienbaum haben stets in Symbiose gelebt: der eine hat stets Bedürfnis nach dem anderen gehabt, um in Notsituationen zu überleben (Nahrungsengpässe, Wettbewerb mit anderen Pflanzen usw.) und um sich bestens in Zeiten der Entwicklung zu entfalten (Kolonisierung der am Fuße der Bergkette liegenden Hügel, neuen Ansiedlungen, hydrogeologische Verteidigung usw.)

 

Der Ursprung der Kastanie in Kalabrien führt auf die Zeit Großgriechenlands zurück. Die Griechen schätzen die Kastanie, entwickeln den Anbau, wählen neue Sorten aus, verspeisen die Früchte auf verschiedenste Weise, verarbeiten das Holz und verwenden die jungen Kastanienbäume als Pfähle. Der Prophet Isaia, der Dichter Homer, der Historiker Senofonte und der Arzt Hippokrates sprechen bereits von der Kastanie in ihren Werke. Griechen, Phönizier und Juden handeln mit Kastanien im ganzen Mittelmeerbecken. Während der Zeit Großgriechenlands erreichen wiederholt Früchte und Pflänzchen Süditalien und vor allem Kalabrien, wo sich in der betroffenen Gegend besondere Bedingungen für den Anbau der Kastanien bieten. Bald entdecken auch die Römer die zahlreichen Möglichkeiten der Kastanie und es wird davon in landwirtschaftlichen, historischen, kulturellen, kulinarischen, dichterischen und ärztlich wissenschaftlichen wie auch Forstabhandlungen geschrieben. Zu den zahlreichen römischen Autoren, die über die Kastanie geschrieben haben im agronomischen, historischen, dichterischen und ärztlich wissenschaftlichen Bereich gehören Plinius, Columella, Palladio, Ovid und Titus Livius.

Der Dichter Virgil schreibt bezüglich der Sila in den Georgiche "Pascitur in Magna Silla formosa juvenca"... Es handelt sich um Orte, die zu Zeiten der Römer sehr bekannt waren... wunderbare Wiesen "wo Schafs- oder Kuhherden weiden und Milch für hervorragende Käsesorten produzieren... und Virgil verweilt auch in der Beschreibung geschmacksvoller Kastanien, gerösteter Maroni oder gekochter oder in Milch gesiedeter Kastanien mit Käse.

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches und den barbarischen Einfällen nimmt man an einem generalisiertem Verfall teil, dem auch die Kastanienwälder nicht entgehen. Während des Mittelalters entwickelt sich stark der Getreideanbau, der den Waldanbau reduzieren lässt, wodurch das Getreide zum Symbol des weichen und weißen Brotes der Stadt wird und die Kastanie wie auch das harte und dunkle Brot zum Symbol der Bergbewohner.

Man muss bis in hohe Mittelalter vorgehen, damit die Kastanie wieder ihre antike Wichtigkeit zurückgewinnt. In den Berggegenden entspricht die Notsituation der Kastanien, jener des Getreides in der Ebene: die Kastanien werden zum Brot der Armen und die Herren bevorzugen andere Gerichte. Um die Aufbewahrung der frischen Früchte zu verbessern, werden die Kastanien mit langen Stöcken vom Baum geholt (bacchiatura), die noch vollen Igel werden vorerst im eigens dafür vorgesehenen Lager und dann im Sand aufbewahrt. Mindestens zwei Drittel der Ernte wird für 20-40 Tage getrocknet, je nach dem Klima, zuerst in Grotten und dann in einem Trockengestell, dann in eigens dafür vorgesehenen Kästen, den sogenannten Pastillari, von denen noch zahlreiche Beispiele in den Berggegenden Kalabriens existieren.